BLECH/ROHRE/PROFILE
6-7/2010 Juni

Volker Albrecht, Chefredakteur
Fußball für die Wirtschaft
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In Anbetracht des Gezänks um die Berliner Regierungskoalition, den Wahlkampf um das Bundespräsidentenamt, das Sparpaket der Bundesregierung, den Koalitionsverhandlungen in Nordrheinwestfalen und sonstigen unschönen Erscheinungen dieser Zeit könnte man versucht sein, den Normalzustand auszurufen. Normalzustand ist, wenn alles läuft und die Führung spinnt. Gegenüber den zumindest theoretisch mit gesundem Menschenverstand und gutem Willen zu behebenden Problemen gibt es noch üblere Bedrohungen. Im Golf von Mexiko läuft das Öl zur größten bisher dagewesenen Umweltkatastrophe zusammen. Und nebenbei bemerkt: Die weltweite Wirtschaftskrise ist auch noch nicht ausgestanden.
In Sachen Wirtschaftskrise können die Prognosen vieler Verbände etwas beruhigen. Im Werkzeugmaschinenbau ziehen die Auftragseingänge deutlich an, in den ersten drei Monaten um 43 Prozent. Trotzdem erwartet der VDW übers Jahr für den deutschen Werkzeugmaschinenbau ein Produktionsminus von 12 Prozent. Für die Branche Robotik und Automation geht der VDMA aufgrund eines ebenfalls zweistelligen Anstiegs im Auftragseingang bereits wieder von einem Umsatzwachstum um 5 Prozent aus. Positive Aussichten auch bei den Laserherstellern, wenngleich hier die Einbrüche um 41 Prozent im letzten Jahr noch nicht ausgeglichen werden können. Immerhin sorgt der nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Laser und Lasersysteme im VDMA der zweistellige Anstieg der Auftragseingänge im ersten Quartal für positive Stimmung. Aller Anstiege beim Auftragseingang zum Trotz bewegt sich das Ordervolumen im Vergleich zum Spitzenjahr 2008 noch auf niedrigem Niveau.
Was das praktisch bedeutet, war auf den Messen Anfang Juni, angefangen bei der Lasys über Oberfläche und Schichten (O&S) bis zur Automatica in München oder der Proform in Dortmund, zu spüren. Trotz teils gestiegener Besucherzahlen gab es an den meisten Ständen kein Gedränge. Im Gegenteil. Bei vielen befragten kleinen und mittleren Ausstellern gab man sich den Umständen entsprechend zufrieden. Profitiert haben vor allem die großen Anbieter, die auch Finanzierungsmöglichkeiten bieten. Es fehlt an Geld zu marktüblichen Konditionen und am Glauben an den Aufschwung, der von der Performance in Berlin allerdings nicht gerade beflügelt wird.
Ohne Fußballweltmeisterschaft sähe es düster aus. Glücklicherweise gibt es sie, denn Wirtschaft ist immer auch Psychologie. Stimmt die Laune, sieht die Zukunft gleich besser aus und dann wird konsumiert und hoffentlich auch investiert. Dabei steigt die Laune mit dem Weiterkommen der eigenen Mannschaft. Da könnte man sich als Exportweltmeister doch glatt mehrere Fußballweltmeister wünschen.
Volker Albrecht
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