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Management/Organisation

Mittelstand: Flexibel werden, schlank bleiben

Februar 2012 — Das Institut für Fabrikanlagen und Logistik (IFA) lädt Unternehmen ein, neue Fabrikplanungsmethoden zu nutzen. Die Wissenschaftler in Hannover haben Konzepte entwickelt, mit denen auch kleine und mittlere Unternehmen von den Prinzipien des Lean Management profitieren können.

„Lean Production“, also eine „schlanke“, sparsame Produktion, streben viele Unternehmen an. Doch zugleich ist Flexibilität gefragt, denn ob Telefone, Kosmetika oder Mikrochips – die Produkttypen wechseln immer schneller. Nur wer seine Produktion permanent anpasst, kann mithalten. Das aber erfordert Reserven an Gebäuden und Produktionskapazitäten. Wie lassen sie sich mit gleichzeitiger Vermeidung von Verschwendung vereinbaren? Wissenschaftler des Instituts für Fabrikanlagen und Logistik (IFA) am Produktionstechnischen Zentrum (PZH) der Leibniz Universität Hannover arbeiten an einer Lösung dieses Zielkonflikts. Vor allem mittelständische Unternehmen sind eingeladen, das IFA-Projekt „Lean Changeability / Schlanke, wandlungsfähige Fabriken für kleine und mittlere Unternehmen“ zu begleiten und von den Ergebnissen zu profitieren.
Kein Unternehmen kann sich Leerlauf oder überflüssige Kapazitäten dauerhaft leisten. Deshalb ist „Lean Production“ gefragt: Dazu gehört beispielsweise eine Arbeitsorganisation, bei der möglichst alle Arbeitsschritte nahtlos ineinander greifen, Werkzeuge und Bauteile optimal angeordnet sind, Transport- und Lagerkapazitäten wirtschaftlich eingesetzt werden und die Zahl der vorgehaltenen Bauteile genau auf den Produktionsfluss abgestimmt ist. Die Ingenieure am IFA haben dafür maßgeschneiderte Konzepte entwickelt und in der Praxis erprobt. Damit gelingt es beispielsweise, die Durchlaufzeiten in den Unternehmen um bis zu 60% zu senken. Das Spektrum der Branchen, die vom IFA betreut werden, reicht von der Kosmetikindustrie über den klassischen Maschinen- und Anlagenbau bis zur Mikroelektronik.

Lean Production und Wandlungsfähigkeit kombinieren

Doch Verschwendung zu vermeiden ist nur die halbe „Miete“ auf dem Weg zur Effizienz, sagt der Leiter des IFA, Prof. Peter Nyhuis. „Es kommt auch darauf an, die Fertigungsanlagen, die Räumlichkeiten und die Arbeitsorganisation so zu gestalten, dass man schnell auf neue Produktvarianten und mengenmäßige Schwankungen umstellen kann. Da greift das Konzept der wandlungsfähigen Fabrik.“ Zu ihr gehört die Modularität: Arbeitsplätze und Abteilungen werden als bewegliche Bausteine konzipiert, die sich problemlos kombinieren und erweitern lassen, um auf neue Produktanforderungen dynamisch zu reagieren. Auch in diesem Bereich entwickeln die IFA-Ingenieure erfolgreiche Systeme, die sich in zahlreichen Unternehmen bewährt haben.
Die Unternehmen am Standort Deutschland können einen großen Sprung nach vorn machen, „wenn sie Lean Production mit der wandlungsfähigen Fabrik verknüpfen“, erläutert Prof. Peter Nyhuis. „Allerdings handelt es sich hier um zwei unterschiedliche Unternehmensphilosophien, die nicht von vornherein kompatibel sind.“ Der wandlungsfähigen Fabrik liegt ein dynamischer, zukunftsorientierter Ansatz zugrunde. Er erfordert flexible Fertigungstechnologien, die sich schnell erweitern und umbauen lassen sowie das Vorhalten räumlicher Reserven. Das kostet Geld und passt auf den ersten Blick nicht zur schlanken Produktion, denn deren Ideal ist es, nur genau die Ressourcen einzusetzen, die für die anstehenden Aufgaben wirklich gebraucht werden. „Viele vor allem mittelständische Unternehmen sehen Lean Production noch zu statisch“, erklärt Prof. Peter Nyhuis. „Wenn man keine Flexibilitätsreserven einbaut, kann es später sehr viel teurer werden, weil das Unternehmen nicht schnell genug reagieren kann und Aufträge verliert.“ Andererseits müsse man natürlich Kapazitäten, die zu lange ungenutzt bleiben, vermeiden.

Einladung an den Mittelstand

Wie man den Zielkonflikt löst und die beiden Denk-Welten optimal zusammenführt, wird zurzeit im Projekt Lean Changeability (Schlanke, wandlungsfähige Fabriken für KMU), gefördert von der Stiftung Industrieforschung, untersucht. Die IFA-Ingenieure entwickeln hier Planungskonzepte und Berechnungsmethoden, die insbesondere der Effizienzsteigerung mittelständischer Unternehmen zugute kommen sollen. „Wir laden vor allem die Vertreter kleiner und mittlerer Unternehmen ein, mit uns in einen Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis einzutreten und unsere Forschungen in einem Industrie-Arbeitskreis zu begleiten“, so Prof. Peter Nyhuis. Die Teilnehmer lernen dadurch neueste Methoden der Betriebsorganisation und der Fabrikplanung kennen und nehmen am Erfahrungsaustausch mit anderen Wirtschaftsvertretern teil. Besonders attraktiv: Die Mitglieder des Industrie-Arbeitskreises haben die Möglichkeit, Pilotanwender für die neu entwickelten Methoden zu sein.

Leibnitz Universität Hannover
Produktionstechnisches Zentrum Hannover (PZH)
An der Universität 2
D-30823 Garbsen
Tel.: +49 511 762-2440
Internet: www.ifa.uni-hannover.de

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